Taschentücher?

Wenn man hier in Singapur in den Supermarkt geht und nach Taschentüchern sucht, dann findet man erstmal keine. Das einzige, was man nach lamgem Suchen findet, sing "Facial Tissues". Der treue LEO-Benutzer wird jedoch entgegenhalten, dass das doch wohl das selbe ist. Leider nein! Das hier übliche "Facial Tissue" (übersetzt: Gesichtspapiertuch) kann wirklich keinesfalls als "durchschnupfsicher" angesehen werden und die Verpackung ist meistens so labil, dass sie durch die Aufbewahrung in der Tasche zerstört wird.

Angebot und Nachfrage

Wenn es also in Singapur kein vernünftiges Taschentuch-Angebot gibt, was sagt das über die Nachfrage aus? Richtig. Auch die hält sich in Grenzen. Das "Facial Tissue" wird zum Schweiß abwischen oder zum Säubern der Hände benutzt. Die letzte unheimliche Frage, die sich stellt ist: "Haben die denn hier nie Schnupfen"?

Andere Länder andere Sitten

"Doch" lautet die Antwort, "das hört man sogar!". Anstatt ein Taschentuch zu benutzen und sich dabei vielleicht sogar umzudrehen, ziehen die Singapurer hier die Nase hoch so laut es geht. Und glaubt mir: Die können das; die haben das geübt! Wenn man also in der MRT einen etwas kränkelnden Singapurer vor sich hat, dann kann ds bedeuten, dass man die nächste halbe Stunde kräftigst beschallt wird. Das Gleiche gilt natürlich auch für das Spucken. Es wird in der Öffentlichkeit offensichtlich nicht ohne Grund mit 500S$ Strafe belegt. Dort wo man aber spucken darf, also (leider) im Schwimmbad und in der Schwimmbaddusche, gehen die Singapurer dem so ungehemmt nach, dass man sich in einem Lamakäfig wähnt. Wenn jemand in ca 10 Minuten Duschen über dreißig mal geräuschvoll ausspucken muss, dann muss man schon sehr viel kulturelle Nachsichtigkeit aufbringen, um denjenigen nicht mal kräftig anzu ... raunzen.

Die europäische Antwort

Diese kleine, anscheinend in größeren Teilen Asiens verbreitete "Unsitte" (ist sie natürlich nur in unseren Augen), verleitet den wohlerzogenen deutschen Praktikanten natürlich zum exemlarischen Einsatz eines Taschentuches! Wenn man zwei oder drei nimmt, dann klappt das auch. Doch Obacht! Hier begeht man selber eine kleine Unsitte! Die Singapurer lassen es sich nicht anmerken, jedoch erkennt man in ihren Gesichtern leichte Ablehnung, wenn man sich schnäuzt. Nach langer Beobachtung kann ich jedoch sagen, dass das Nicht-Ausspucken nicht mit bösen Blicken bedacht wird :-)

Die Moral der Geschicht'

Arachne hätte die Götter nicht verspotten sollen! Nein(obwohl doch).
Diese ziemlich absurde Geschichte zeigt, dass andere Kulturen ganz schön anders sein können :-) Sie zeigt, dass man Aktionen von Menschen ausserhalb ihres kulturellen Kontextes nicht wirklich nachvollziehen kann und daher auch nicht vor dem Eigenen werten sollte. Ich persönlich werde diese "kulturelle Eigenheit" niemals annehmen, unterstützen oder in meiner Nähe gutheißen; tolerieren muss und werde ich sie aber.

Und Morgen werd ich einfach im Bus dauerschnufen *Muharharharhar*
Willem